Lise van Wersch lebt und arbeitet aktuell in Kiel und absolvierte ihren Master in Skulptur an der Royal Academy of Fine Arts in Antwerpen. Ihre künstlerische Praxis kreist um den Körper als Ort voller Erinnerung und Widerstand. Härte und Zartheit, Kontrolle und Kontrollverlust dürfen gleichzeitig existieren.
Im Zentrum steht ein innerer Konflikt: Lise hat Angst, aber sie ist nicht ängstlich. Durch ihre Hypochondrie prägen Panikattacken, brennende Gedanken und ein misstrauisch gewordener Körper ihre Erfahrungswelt. Die Angst ist ihre überengagierte Verkehrslotsin: wachsam und unermüdlich warnt sie vor Gefahren, selbst wenn keine Straße in Sicht ist. Die eigene Hülle kann dabei zum Fremdkörper werden. Eingefroren, überanalysiert, scheinbar permanent bedroht.
In dieser Ausstellung wird für Lise das Persönliche zum Material. Der weibliche Körper ist dabei nie neutral. Aufgewachsen zwischen Diätkultur und „Heroin Chic“, lernte sie früh, dass sie bewertet und normiert wird. Dieses entstandene Misstrauen verbindet sich mit einer medizinischen Realität, in der der männliche Körper als Standard gilt. Der weibliche wird zur Abweichung: ist sie der Fremdkörper im System?
In der Bildhauerei findet sie ihre Gegenbewegung. Ton und Gips erlauben, Volumen zu begreifen und Proportionen real zu erfahren. Skulptur wird zu ihrer Schule des Maßes und zum Akt der Rückeroberung.
Für die Ausstellung entwickelt Lise van Wersch eine Fabel rund um den Schwan. Er ist die Angst. Er ist die Künstlerin. Zwischen todernst und urkomisch wird die Absurdität hypochondrischer Gedankenschleifen sichtbar. Pudriges Rosa, grelles Rot, OP-Türkis und silbrige Metalloberflächen halten Spannungen aus, die sich im Inneren oft unvereinbar anfühlen.
Der Ausstellungstitel Fremdkörper beschreibt für Lise mehrere Ebenen: die Angst im Inneren, den eigenen Körper als unsicheres Terrain und die Erfahrung, als Frau nicht als Norm gedacht zu sein. So macht sie die Angst sichtbar, vergrößert sie, schneidet sie auf, lässt sie kreiseln, lässt sie ertrinken.
Ihr zentrales Anliegen ist radikale Empathie als Akt des Nicht-Wegsehens. Verletzlichkeit ist kein Makel. Der Körper bleibt der Ort, an dem dieses fantastische Leben stattfindet.